Einfluss einer dauerhaften Fluglärmexposition auf die Gefäßfunktion bei Probanden mit niedrigem kardiovaskulärem Risiko
Aktuell werden in verstärktem Maße die möglichen gesundheitlichen Auswirkungen der neuen Start- und Landebahn des Frankfurter Flughafens auf die Gesundheit der Mainzer Bevölkerung diskutiert. Klar ist schon jetzt: die Lärmpegel in Mainz werden mit dem Bau einer neuen Landebahn drastisch zunehmen.
So wird für den Bereich Favorite/Volkspark der Lärmpegel von jetzt 45-50 Dezibel (dB) auf 55-60 Dezibel im Jahr 2020 steigen und damit in Lärmbereiche kommen, die nach neuesten Erkenntnissen eklatante Auswirkungen auf die Einnahmehäufigkeit von Antidepressiva, Schlafmittel und Herzkreislaufmedikamente haben.
Dabei ist momentan noch unklar, inwieweit die Gesundheit der Mainzer durch das jetzige, deutlich geringere Fluglärmniveau schon beeinträchtigt wird. In einer kürzlich publizierten Studie wurden von Professor Kaltenbach die Auswirkungen von Fluglärm, verursacht durch den Frankfurter Flughafen, auf das Herzkreislaufsystem und den Blutdruck der Anwohner untersucht.
Es wurden hierzu zwei Gruppen gebildet: eine so genannte „Ostwind-“ und eine „Westwind“-Gruppe.
Der Zeitraum der Lärmbelästigung bei Ostwind betrug ca. 25%, der Lärmpegel lag bei 40 dB, während die Lärmbelästigungen bei Westwind für die Betroffenen 75% der Zeit ausmachten und der Lärmpegel bei 50 dB lag. Dies ist mit Mainzer Verhältnissen vergleichbar. Die Ergebnisse zeigen klar, dass bei der Westwindgruppe der Fluglärm zu deutlich höheren Blutdruckwerten führte als bei der Ostwindgruppe. Parallel dazu gab es eine enge Beziehung zwischen der Lärmempfindung und der Anzahl der Starts bei der Ostwindgruppe, während dieser Zusammenhang bei der Westwindgruppe komplett verloren ging, d.h. diese Gruppe war nicht mehr in der Lage, zwischen laut und leise zu differenzieren.
Von den Autoren wird spekuliert, dass diese Störung der Lärmempfindung möglicherweise auf eine starke und lang dauernde Stimulation der Freisetzung von Stresshormonen zurückzuführen ist, und dass dieser Umstand möglicherweise auch den höheren Blutdruck bei der Westwindgruppe erklärt. Mit Hilfe einer in Mainz neu eingeführten Methode zur Bestimmung von Gefäßschäden (die auch bei der Gutenberg Herz Studie eingesetzt wird) wird die Kardiologie der Johannes Gutenberg-Universität erstmalig die Auswirkungen von Fluglärm auf die Innenhaut der Unterarmarterien untersuchen (Endothelfunktionsmessung).
Diese Messung hat insofern eine wichtige Bedeutung, als sie möglicherweise in der Lage ist Personen zu identifizieren, die besonders stark mit Gefäßschäden auf den Fluglärm reagieren und möglicherweise gefährdet sind. Daneben sollen auch die Auswirkungen von Fluglärm auf die Herzfrequenz und den arteriellen Blutdruck mit Hilfe von 24-Stunden-Messungen aufgezeichnet werden.
Gleichzeitig werden die psychischen Auswirkungen des Fluglärmes (Stress, Schlafstörungen, Aufmerksamkeitsdefizite) durch eine Kooperation mit der Psychosomatik (Prof. Dr. Beutel) mit erfasst. Die Studie soll nächstes Jahr beginnen und innerhalb von 1 bis 1,5 Jahren Aufschlüsse über mögliche gefäßschädigende Wirkungen von Fluglärm bringen.
Zusammenfassend muss man festhalten, dass aufgrund der aktuellen Datenlage Gesundheitsschäden bei einem Fluglärmpegel von 50 dB nachzuweisen sind. Deutsche Fluglärmexperten empfehlen, dass der Fluglärmpegel nachts unter 45 dB und tagsüber unter 50 dB liegen sollte.
Insofern lassen einen die für Mainz prognostizierten Werte für das Jahr 2020 von 55-60 dB schon ins Grübeln kommen. Die 2. Medizinische Klinik möchte ihren Beitrag dazu leisten, die gesundheitlichen Belastungen, die auf die Mainzer zu kommen, genau zu quantifizieren, um möglichen zukünftigen Gesundheitsschäden vorzubeugen und auch etwas zur Klärung der Problematik beizutragen.
