Weitere Forschungsergebnisse

11.06.2018

Mainzer Wissenschaftler identifizieren Enzym, das für Gefäßschäden durch Fluglärm verantwortlich ist

Neue Studie der Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz zeigt weiterhin: Nachtfluglärm ist besonders schädlich für Gefäße und Gehirn

Die Studie wurde unterstützt durch die Förderung der Stiftung Mainzer Herz an S. Steven und A. Daiber, der Universitätsmedizin Mainz (NMFZ) an A. Daiber, die Deutsche Stiftung für Herzforschung an S. Kröller-Schön und die Boehringer Ingelheim Stiftung (Projekt: "Neue und vernachlässigte Herzkreislaufrisikofaktoren") an T. Münzel, S. Steven und A. Daiber.

In einer aktuellen Studie haben Wissenschaftler des Zentrums für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz ein Enzym identifiziert, welches für fluglärmbedingte Gefäßschäden verantwortlich ist. Sie konnten weiterhin zeigen, dass Nachtfluglärm eine besonders schädliche Wirkung hat und fordern daher, die Nachtruhe unbedingt vor Lärm zu schützen. Mit der aktuellen Studie setzen die Wissenschaftler um Univ.-Prof. Dr. Thomas Münzel, Direktor Kardiologie I im Zentrum für Kardiologie, und Univ.-Prof. Dr. Andreas Daiber, Leiter der Molekularen Kardiologie im Zentrum für Kardiologie, ihre Forschungen auf dem Gebiet der Lärmforschung konsequent fort und können dabei einen weiteren Durchbruch vermelden. Publiziert wird die neue Studie im European Heart Journal, der weltweit renommiertesten kardiologischen Fachzeitschrift.

Fluglärm führt langfristig zu einer vermehrten Ausbildung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen – wie eine Reihe von Vorläuferstudien inzwischen zweifelsfrei zeigen konnte. So ist es der Arbeitsgruppe von Professor Münzel 2013 gelungen nachzuweisen, dass simulierter Nachtfluglärm das Stresshormon Adrenalin erhöht, die Schlafqualität vermindert und einen Gefäßschaden, genannt endotheliale Dysfunktion, auslöst. Weitere Untersuchungen an einem neu entwickelten Tiermodell ergaben im letzten Jahr, dass Fluglärm eine deutliche Erhöhung der Stresshormone, eine Gefäßfunktionsstörung, erhöhten oxidativen Stress und Entzündungsprozesse in den Gefäßen sowie eine deutliche Änderung der Expression von Genen in der Gefäßwand nach sich zieht.

Die Professoren Münzel und Daiber kommentieren: "Mit unserer neuen Studie können wir erstmals nachweisen, dass insbesondere Nachtfluglärm – also Lärm während der Schlafphase der Mäuse – und nicht Lärm während der Wachphase für Gefäßfunktionsstörungen verantwortlich ist. Wir können weiterhin zeigen, dass die Ausschaltung des Enzyms phagozytische NADPH-Oxidase, welches hauptsächlich in Entzündungszellen vorkommt, Fluglärm-induzierte negative Auswirkungen an Gefäßen und Gehirn komplett verhindert." Dieses Enzym war in der letzten Studie in den Fokus der Wissenschaftler geraten. Die aktuellen Untersuchungen beweisen nun endgültig dessen zentrale Rolle und liefern den Beweis, dass die negativen Fluglärmeffekte über dieses Enzym vermittelt werden. 

Bei den jetzigen Untersuchungen haben die Wissenschaftler auch die Auswirkungen von Fluglärm auf das Gehirn untersucht. Hierbei stand die neuronale Stickstoffmonoxid (NO)-Synthase, ein wichtiges Enzym in unserem Gehirn, im Blickfeld. Das Enzym, das für die Bereiche Lernen und Gedächtnis verantwortlich ist, wird durch Fluglärm herunterreguliert und so seine Funktion beeinträchtigt. Dieser neue Befund erklärt möglicherweise die beschriebenen kognitiven Entwicklungsstörungen bei Kindern nach Fluglärmexposition.“

Eine weitere Erkenntnis ist, dass der Transkriptionsfaktor FoxO3 eine zentrale Rolle für die Lärm-induzierten Gefäß- und Gehirnschäden spielt: Die Fehlregulation dieses Faktors durch Nachtfluglärm führt zu einem gestörten Genexpressions-Netzwerk, das zelluläre Vorgänge in Abhängigkeit der Tageszeiten steuert – gerät diese circadiane Rhythmik durch Lärm aus dem Takt, kann dies zu Schlafstörungen und in der Folge zu kardiovaskulären, psychischen und metabolischen Erkrankungen führen. Zu diesen Erkenntnissen gelangten die Wissenschaftler durch umfangreiche genetische Analysen mittels "Next Generation Sequencing (NGS)" und durch den Nachweis einer Verhinderung der erwähnten Gefäßschäden durch Behandlung mit dem FoxO3-Aktivator Bepridil.

Nach Auffassung der Studieninitiatoren bedeuten diese Ergebnisse einen weiteren Durchbruch in der Lärmforschung. "Mit unseren Befunden, insbesondere bezüglich des Nachtfluglärms, können wir nun klinische Ergebnisse z.B. der sogenannten HYENA Studie erklären, wonach insbesondere Nachtfluglärm Bluthochdruck auslösen kann. Der Befund, dass die Ausschaltung des Enzyms phagozytische NADPH Oxidase Gefäßschäden komplett verhindert, versetzt uns dabei möglicherweise in die Lage, medikamentöse Strategien zu entwickeln, um die negativen Effekte von Fluglärm auf den Körper zu neutralisieren", kommentieren beide Wissenschaftler.

Beide Autoren schließen aus ihren Befunden, dass es ein wichtiges Ziel sein muss, die Nachtruhe vor Lärm zu schützen und insbesondere die gesetzlich definierte Nachtruhe von 22 Uhr abends bis 6 Uhr morgens zu implementieren. 

16.05.2018

Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert neue Fluglärmstudie an der Universitätsmedizin Mainz
 

300.000 Euro für die Erforschung neuer Strategien gegen negative Auswirkungen von Fluglärm auf das Herz-Kreislauf-System / Univ.-Prof. Dr. Thomas Münzel und Dr. Swenja Kröller-Schön untersuchen gemeinsam neue Strategien gegen negative Auswirkungen von Fluglärm auf das Herz-Kreislauf-System.

In einem neuen Forschungsprojekt wollen Wissenschaftler der Universitätsmedizin Mainz Strategien untersuchen, die den negativen Effekten von Fluglärm entgegenwirken. Zu den negativen Effekten zählt, dass simulierter Nachtfluglärm die Schlafqualität vermindert, das Stresshormon Adrenalin erhöht und darauf basierend Gefäßschäden (im Fachjargon endotheliale Dysfunktion) verursacht. Das konnte die Arbeitsgruppe von Univ.-Prof. Dr. Thomas Münzel, Direktor der Kardiologie I im Zentrum für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz, bereits in einer 2017 im renommierten European Heart Journal veröffentlichten Studie zeigen. Das aktuelle Forschungsvorhaben fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft mit rund 300.000 Euro.

Gemeinsam mit seiner Arbeitsgruppe Umwelt und Gesundheit konnte der Direktor der Kardiologie I im Zentrum für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz Univ.-Prof. Dr. Thomas Münzel 2017 den Nachweis erbringen, dass Fluglärm eine deutliche Erhöhung der Stresshormone und eine Gefäßfunktionsstörung aufgrund vermehrter Bildung freier Radikale hervorruft. Auf Basis dieser Studienergebnisse startet die Arbeitsgruppe von Prof. Münzel nun ein neues Fluglärm-Projekt. In diesem neuen Projekt wird die Wissenschaftlerin Dr. Swenja Kröller-Schön Strategien entwickeln, die möglicherweise die negativen Auswirkungen von Fluglärm abmildern können.

Hierbei wird sich der Fokus auf Maßnahmen richten, die ein spezielles Protein, die AMP-abhängige Proteinkinase (AMPK), beeinflussen. Dieses Protein ist als zellulärer Energie-Sensor bekannt und wird bei hohem Energie-Verbrauch, zum Beispiel durch Ausdauertraining, aktiviert. In den letzten Jahren rückte die AMPK auch immer mehr in den kardiologischen Fokus, da sie vielfältige gefäßschützende Effekte hat.

Im Rahmen ihres Forschungsvorhabens wird Dr. Kröller-Schön verschiedene Hypothesen untersuchen. Zum einen will sie herausfinden, ob das Entfernen des aktiven Proteins der AMPK die negativen Effekte von Fluglärm auf das kardiovaskuläre System verstärkt. Zum anderen geht sie der Frage nach, ob sich mittels Ausdauertraining die negativen Effekte von Fluglärm eindämmen lassen. In diesem Zusammenhang erforscht sie zudem, ob die schützenden Effekte von Ausdauertraining bei der Fluglärmexposition durch das Entfernen des aktiven Proteins der AMPK ausbleiben. Des Weiteren will sie aufzeigen, inwieweit eine pharmakologische Aktivierung der AMPK die negativen Effekte von Lärm auf das Herz-Kreislauf-System verhindert. Gegenstand ihrer Forschung ist darüber hinaus das Ziel, zu erkennen, ob sich mittels intermittierendem – also auf Unterbrechungen basierendem – Fasten den von Lärm hervorgerufenen Stressreaktionen des Kardiovaskulären Systems entgegenwirken lässt.

An diesem Projekt werden auch weitere Arbeitsgruppen, wie die von Univ.-Prof. Dr. Tobias Bopp, Sprecher des Forschungszentrums für Immuntherapie (FZI) der Universitätsmedizin Mainz), und die von PD Dr. Markus Bosmann vom Centrum für Thrombose und Hämostase der Universitätsmedizin Mainz als Kooperationspartner beteiligt sein. Professor Münzel zeigt sich begeistert: „Mehr und mehr wird unsere Leistung in dem Bereich Lärmforschung anerkannt. In den letzten drei Jahren konnten wir mehr als zwei Millionen Euro für Lärmforschung einwerben. Mit unserem Forschungsansatz haben wir nach wie vor ein weltweit einmaliges Alleinstellungsmerkmal.“ 

28.03.2018

Else Kröner-Fresenius-Stiftung fördert Lärmwirkungsforschung des Zentrums für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz mit 230.000 Euro

Seit mehreren Jahren wird vermutet, dass Lärm nicht nur die Nerven strapaziert sondern auch krank macht. Die Lärmforschung an der Universitätsmedizin Mainz hat in diesem Bereich große Fortschritte erzielt. So konnte die Arbeitsgruppe von Univ.-Prof. Dr. Thomas Münzel, Zentrum für Kardiologie, Kardiologie I nachweisen, dass insbesondere Fluglärm die Freisetzung von Stresshormonen fördert, den Blutdruck steigert und damit die Gefäßfunktion negativ beeinträchtigt. Unklar war bisher, inwieweit bereits bestehende Herzkreislauf-Risikofaktoren wie z.B. Bluthochdruck in ihren negativen Auswirkungen für die Gefäßfunktion durch Fluglärm sogar noch verstärkt werden.

Ein Antrag auf Forschungsförderung von Dr. Sebastian Steven aus der Arbeitsgruppe von Prof. Münzel bei der Else Kröner-Fresenius-Stiftung zu diesem Thema wurde jetzt angenommen. Das Projekt wird über einen Zeitraum von drei Jahren mit einer Summe von 230.000 € gefördert.

„Das ist für uns ein extrem wichtiges Projekt, da wir herausfinden müssen, inwieweit Patienten, die bereits unter Bluthochdruck leiden, noch zusätzlich durch Fluglärm gesundheitlich gefährdet werden und welche Ursachen hierfür zugrunde liegen“, kommentiert Dr. Steven.

„Aktuell bekommen wir mehr und mehr Anerkennung für unsere Lärmwirkungsforschung, die in dieser Art nach wie vor weltweit einmalig ist“, ergänzt Prof. Münzel, Begründer der Lärmwirkungsforschung an der Universitätsmedizin. „Zudem haben wir noch eine unglaubliche Anzahl an neuen Befunden, sowohl bei klinischen und vorklinischen Untersuchungen, und werden hoffentlich auch bald die gesundheitlichen Auswirkungen von Lärm und Luftverschmutzung bei Teilnehmern der Gutenberg Gesundheitsstudie untersuchen können“, so Münzel weiter.
Die Lärmwirkungsforschung der Universitätsmedizin wird neben der Else Kröner-Fresenius-Stiftung auch durch die Boehringer Ingelheim Stiftung und durch die Stiftung Mainzer Herz unterstützt.

7. Februar 2018

Flugzeuge, Autos und Züge machen herzkrank!

Einen Überblick über neue, zum Teil eigene Forschungsergebnisse liefern Wissenschaftler aus Dänemark und vom Zentrum für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz in einem Review, der im Fachblatt Journal of the American College of Cardiology (JACC) veröffentlicht ist.

Dass es seine Beziehung zwischen Lärm und Herz-Kreislauf-Erkrankungen gibt, ist schon lange bekannt. Nun haben Forscher der Arbeitsgruppe Umwelt und Gesundheit um Univ.-Prof. Dr. Thomas Münzel vom Zentrum für Kardiologie, Kardiologie I der Universitätsmedizin Mainz und Initiator der Stiftung Mainzer Herz gemeinsam mit Mette Sørensen, einer Lärmforscherin und Epidemiologin vom Dänischen Krebsforschungsinstitut in Kopenhagen, die neuesten Ergebnisse zum Thema Lärm und Herzkrankheiten im renommierten Journal für Herzerkrankungen, dem Journal of the American College of Cardiology in einem Übersichtsartikel zusammengefasst.

Mehr dazu hier.

25.10.2017

Neue Studie des Zentrums für Kardiologie zur Auswirkung von Schienenlärm auf das Herz-Kreislaufsystem

Eine neue Studie am Zentrum für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz untersucht die Auswirkungen von nächtlichem Zuglärm auf das Herz-Kreislaufsystem von gesunden Menschen.
Die Deutsche Herzstiftung fördert diese Studie mit 59.600 Euro über einen Zeitraum von 2 Jahren.
Dass sich Verkehrslärm, insbesondere Straßen- und Fluglärm, schädlich auf die Gesundheit auswirkt, konnte bereits durch zahlreiche Studien belegt werden. So ist bekannt, dass Menschen, die dauerhaft Verkehrslärm ausgesetzt sind, mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit an Bluthochdruck erkranken sowie Herzinfarkte und Schlaganfälle erleiden. Deutlich weniger Studien liegen hierzu im Bereich „Schienenlärm“ vor.
Um die bisher wenig erforschten Mechanismen, wie Schienenlärm zu Herz-Kreislauferkrankungen führt, zu untersuchen, hat das Zentrum für Kardiologie eine neue Studie mit dem Kürzel ZuG-Studie (Zuglärm und Gefäßfunktion) initialisiert.
Es wird vermutet, dass insbesondere die Störung der Nachtruhe durch Verkehrslärm besonders negative Auswirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem haben kann. Dies wurde durch die Arbeitsgruppe um Prof. Münzel bei der Erarbeitung des Studienprotokolls berücksichtigt:
Gesunden Probanden wird in mehreren Testnächten eine unterschiedliche Anzahl von Zugvorbeifahrten in einer standardisierten Weise per MP3-Player vorgespielt - in der Testnacht mit den meisten Vorbeifahrten sind das immerhin 60 Stück. Eine weitere Testnacht ohne Zuglärm dient als Kontrollnacht. Den Probanden wird ein Abspielgerät zur Verfügung gestellt, damit sie die Versuchsnächte in gewohnter Umgebung zu Hause verbringen können. Damit soll eine Beeinflussung der Testergebnisse durch eine ungewohnte Umgebung vermieden werden.
Während der Versuchsnächte erfolgt eine kontinuierliche Aufzeichnung von Herzrhythmus, Blutdruck, sowie der Sauerstoffsättigung des Blutes mittels moderner, eigens für die Studie beschaffter Messgeräte, welche der Proband bequem am Handgelenk tragen kann. Durch die lückenlose Aufzeichnung der genannten
Parameter können anschließend selbst geringe Veränderungen der untersuchten Parameter nachvollzogen werden.
Nach jeder Testnacht wird im Labor des Zentrums für Kardiologie die Endothelfunktion (Gefäßfunktion) der Unterarmarterie durch Ultraschall ermittelt. Dies ist besonders relevant, da eine schlechte Endothelfunktion eine Vorstufe von Arteriosklerose darstellt, also der krankhaften Veränderung von Gefäßen, die zum Beispiel Bluthochdruck und Herzinfarkten vorausgeht. Außerdem wird Blut zur Analyse von unterschiedlichen wichtigen Laborwerten abgenommen. Jeder Proband erhält eine Aufwandsentschädigung.
Mit den 60 Zugvorbeifahrten und einem maximalen Spitzenlärmpegel von 75 dB(A) wird den Probanden weniger zugemutet, als Anwohner teilweise an stark befahrenen Bahntrassen zu ertragen haben. "Im Mittelrheintal werden Spitzenlärmpegel von bis zu über 90 dB(A) gemessen, und zeitweise fahren pro Nacht mehr als 60 Züge", berichtet Dr. Johannes Herzog, der zuständige Studienarzt.
 "Die Probanden riskieren mit ihrer Teilnahme keineswegs dauerhaft schädliche Auswirkungen auf ihre Gesundheit", erklärt Prof. Münzel. Dies liegt daran, dass erst nach längerer und konstanter Beschallung mit hohen Lärmpegeln bleibende Veränderungen oder Schäden eintreten. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn Personen neben Bahntrassen wohnen. Veränderungen, die durch die Testnächte auftreten, sind reversibel, also umkehrbar, und lassen sich nur wenige Stunden nachweisen. Prof. Münzel: "Die Testpersonen riskieren also nur ein oder zwei Nächte schlecht zu schlafen, und es dient dem Wohle der Wissenschaft..."
"Wir sind froh, dass die Deutsche Herzstiftung die Bedeutung dieser Umweltfaktoren für unsere Gesundheit erkannt hat und uns bei unserer Forschung unterstützt", so Münzel weiter. "Wir gehen davon aus, dass die Studie schon im nächsten Jahr wichtige Ergebnisse liefern wird."

Einen Beitrag des SWR zum Thema finden Sie hier.

11.04.2017

Haben Radikalenfänger einen positiven Effekt auf durch Lärm verursachte Gefäßfunktionsstörungen?

Mainzer Wissenschaftsstiftung fördert Lärm-Forschungsprojekt des Zentrums für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz

In einer im Februar im European Heart Journal veröffentlichten Studie konnte die Arbeitsgruppe um Prof. Münzel die Mechanismen entschlüsseln, die für Gefäßschaden infolge von Fluglärm verantwortlich sind. Auf Basis dieser Erkenntnis soll nun untersucht werden, ob Radikalenfänger wie Vitamin C oder E diese Gefäßfunktionsstörungen positiv beeinflussen können. Die Mainzer Wissenschaftsstiftung fördert dieses Projekt mit 10.000 Euro.
Die Ergebnisse der Studie wurden im Februar 2017 im European Heart Journal publiziert. Im Vordergrund des Gefäßschadens, ausgelöst durch Fluglärm, stand eine ausgeprägte Bildung freier Radikale. Mit dem neu geplanten Projekt gilt es nun zu untersuchen, ob sich eine durch Lärm hervorgerufene Gefäßfunktionsstörung durch die gleichzeitige Gabe von Radikalenfängern wie Vitamin C beziehungsweise E positiv beeinflussen lässt. Das Projekt ist auf einen Zeitrahmen von einem Jahr festgelegt. "Ich freue mich über die Unterstützung durch die neu gegründete Mainzer Wissenschaftsstiftung. Hiermit wird ein Projekt unterstützt, das den Fokus auf einen neuen, wichtigen Herzkreislauf-Risikofaktor legt, nämlich den Lärm", so Prof. Münzel.

16.03.2017

Große Anerkennung für aktuelle Mainzer Fluglärmstudie durch Zeitschrift "Nature"
Neue Studie wird als „Research Highlight“ vorgestellt

Nach der Vorstellung der neuen Mainzer Studie zur Entschlüsselung der Mechanismen, wie Fluglärm Gefäßschäden auslöst, sorgte die Studie für weltweites Echo - in der renommierten Zeitschrift "Nature" wurde die Studie nun sogar als "Research Highlight" vorgestellt.

„Dass das renommierte Nature-Magazin die von uns initiierte Studie als 'Research Highlight' auserkoren hat, unterstreicht ihren hohen Stellenwert für die weltweite Fluglärmforschung“, so Prof. Dr. Münzel.

Die Studie wird seitens Prof. Münzel als Durchbruch in der Lärmforschung angesehen, da deren Ergebnisse es nun ermöglichen, spezifische Strategien zu entwickeln, die zu einer Abschwächung von Lärm-induzierten Gefäßschäden führen. Auch ist es auf Basis dieser Studie möglich zu testen, inwieweit Herz-Kreislauf-wirksame Medikamente Lärmschäden an Gefäßen verhindern können.

Die Studie wurde finanziell durch die Stiftung Mainzer Herz unterstützt.

Die Besprechung des Manuskriptes kann unter www.nature.com/nrcardio/journal/v14/n4/full/nrcardio.2017.32.html eingesehen werden.

 

22.08.2014

Neue Mainzer Fluglärmstudie beweist: Nachtfluglärm verursacht deutliche Gefäßschäden bei Herz-Patienten

Mainzer Wissenschaftler publizieren Forschungsergebnisse der FluG-Risiko-Studie in der Zeitschrift „Clinical Research in Cardiology“

Eine neue Studie der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz belegt: Fluglärm führt bei Patienten mit einer koronaren Herzerkrankung (KHK) bzw. einem hohen Risiko für eine KHK zu einem deutlichen Gefäßschaden, erhöhtem Blutdruck und zu einer verminderten Schlafqualität. All dies sind Befunde, die die gesundheitsgefährdende Wirkung von Fluglärm weiter belegen. Die in der Zeitschrift „Clinical Research in Cardiology“ veröffentlichte Studie wurde heute an der Universitätsmedizin Mainz vorgestellt.

„Wir wissen, dass Fluglärm Bluthochdruck, Herzinfarkte und auch Schlaganfälle auslösen kann“, so Univ.-Prof. Dr. Thomas Münzel, Direktor der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik, Vorstandsmitglied der Stiftung Mainzer Herz und Leiter der Studie. „Die Ergebnisse unserer Studie waren so ausgeprägt, dass die Studie schon nach 60 Patienten abgebrochen wurde, obwohl eine Probandenzahl von 100 eingeplant war.“ Nach Einschätzung von Professor Münzel sind die Ergebnisse der Studie ein weiterer Mosaikstein, um die Entstehung von schwerwiegenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Folge von Fluglärm erklären zu können.

Im Rahmen der Studie wurden 60 Patienten mit einer koronaren Herzerkrankung oder einem erhöhten Risiko für eine Herzerkrankung während des Schlafs mit simuliertem Nachtfluglärm beschallt. Das Durchschnittsalter der Probanden lag bei 61,8 Jahren. „In einem Feldversuch wurden die Patienten zu Hause einer Lärmbelastung ausgesetzt, bei der in einer Versuchsnacht insgesamt 60 Nachtflüge mit einem mittleren Schallpegel von 46 dBA simuliert wurden. Zur Kontrolle hatten wir auch ein lärmfreies Nacht-Szenario“, erklärt Dr. Frank Schmidt aus der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik, der die Studie durchgeführt hat.

Die Wissenschaftler stellten fest, dass Nachtfluglärm bei den Patienten die Gefäßfunktion, die mit hochauflösenden Ultraschallgeräten gemessen wurde, deutlich verschlechterte.

„Die Verschlechterung der Gefäßfunktion war so ausgeprägt, dass nach einer Zwischenanalyse von 60 Patienten die Studie vorzeitig beendet wurde“, berichtet Dr. Schmidt. „In unserer ersten Studie konnten wir bereits belegen, dass Nachtfluglärm bei gesunden Probanden die Gefäße schädigt. Gemessen wurde dabei die Erweiterungsfähigkeit der Arterien – im Fachjargon Endothelfunktion –, die unter Nachtfluglärm deutlich abnahm. In unserer aktuellen Studie zeigte sich, dass dieser Effekt bei Patienten mit einer koronaren Herzerkrankung (KHK) noch deutlich stärker ausgeprägt war“, ergänzt Dr. Schmidt. 

„Bemerkenswert ist, dass der Lärm die Gefäße schädigte, obwohl die Patienten ihre Herzkreislaufmedikamente einnahmen, die die Gefäßfunktion vor Schäden schützen“, betont Professor Münzel. „Weiterhin verschlechterte sich die Gefäßfunktion unabhängig davon, ob sich die Patienten über den Lärm geärgert haben oder nicht. Auch die Lärmempfindlichkeit der Patienten spielte keine Rolle. Die Verschlechterung der Gefäßfunktion hat bei Patienten mit einer KHK prognostische Bedeutung, da diese mit einem erhöhten Auftreten von Tod durch Herzinfarkt und Schlaganfall verbunden ist“, ergänzt Professor Münzel. „Nächtlicher Fluglärm muss damit als wichtiger, neuer Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bewertet werden. Wir Ärzte können Bluthochdruck, erhöhtes Cholesterin und Diabetes effektiv behandeln. Patienten können mit dem Rauchen aufhören. Lärm ist somit der einzige Herzkreislauf-Risikofaktor, den nur die Politik nachhaltig beeinflussen kann“, so Münzel.

„Die eindrücklichen Ergebnisse der Studie sind insbesondere vor dem aktuellen Hintergrund – der Erteilung der Baugenehmigung für den dritten Terminal am Frankfurter Flughafen – bedeutsam; zeigen sie doch einmal mehr, dass Fluglärm ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist“, kommentiert Prof. Dr. Babette Simon, Vorstandsvorsitzende und Medizinischer Vorstand der Universitätsmedizin Mainz. „Deshalb fordern wir mit Nachdruck eine deutliche Entlastung des Geländes der Universitätsmedizin und der umliegenden Kliniken in Mainz vom Fluglärm und dass dazu alle Optionen des aktiven Schallschutzes zum Einsatz kommen. Alternativlos nach meinem Dafürhalten ist daher ein runder Tisch, um zu einer schnellen und nachhaltigen Lösung zu kommen."

Die Studie wurde von der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz mit Unterstützung der Stiftung Mainzer Herz und der Robert Müller Stiftung durchgeführt.

Die Originalarbeit mit den Forschungsergebnissen ist abrufbar unter:
http://link.springer.com/article/10.1007/s00392-014-0751-x

Weiterführende Informationen zu den Probanden und zur Durchführung der Studie finden Sie unter: https://www.youtube.com/channel/UCdRqJEmZIvB0KdD9qTJ6PAA.